Das elterliche Sorgerecht für nichteheliche Kinder

Bei nichtehelichen Kindern ist nunmehr auch eine gerichtliche Entscheidung über das elterliche Sorgerecht möglich.

Es war früher so, dass mit der Geburt eines nichtehelichen Kindes die Mutter das elterliche Sorgerecht erhielt. Der nichteheliche Vater des Kindes konnte nur dann das Sorgerecht mit der Kindesmutter erhalten, wenn diese damit einverstanden war und wenn eine Sorgeerklärung abgegeben wurde. Für den Fall, dass die Kindesmutter nicht damit einverstanden war, gab es keine gesetzliche Grundlage dafür, dass der nichteheliche Vater ebenfalls das Sorgerecht für das Kind erhalten konnte.

Das hat sich geändert durch die bahnbrechende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 25.07.2010.

In diesem Beschluss wurde entschieden, dass die Familiengerichte auch gegen den Willen der Kindesmutter dem Kindesvater das Sorgerecht ganz oder teilweise übertragen dürfen.

Hierzu ist anzumerken, dass die geltenden Gesetze zum Sorgerecht bisher nicht geändert wurden. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch herausgestellt, dass auf der Grundlage des erlassenen Beschlusses nichteheliche Väter ihren Anspruch auf Übertragung des Sorgerechts beim zuständigen Familiengericht geltend machen können.

Zu klären ist dann im Einzelfall die Frage, ob eine solche Entscheidung dem Kindeswohl entspricht.

Es wird freilich abzuwarten sein, wie die Familiengerichte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Praxis anwenden werden.

Es kann jedoch allen Vätern von nichtehelichen Kindern empfohlen werden, zu prüfen, ob sie unter diesen Voraussetzungen eine Übertragung des Sorgerechts auf sich selbst geltend machen wollen.

Dabei muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass es nach wie vor möglich ist, eine gemeinsame Sorgeerklärung abzugeben, wenn die Kindesmutter zustimmt. Die Einleitung eines Familienrechtsverfahrens zur Übertragung des Sorgerechts auf den Vater des nichtehelichen Kindes ist nur dann erforderlich, wenn die Kindesmutter dem gemeinsamen Sorgerecht nicht zustimmt.

Es kann jedem Elternteil, das ein Sorgerechtsverfahren betreiben will oder auch sonst als Verfahrensbeteiligter an einem solchen Verfahren beteiligt ist, empfohlen werden, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist erforderlich, weil bereits bei der Antragstellung herausgearbeitet werden muss, warum der jeweilige Elternteil die von ihm im Verfahren angestrebter Entscheidung für gerechtfertigt hält. Auch bei den regelmäßig erforderlich werdenden Anhörungsterminen ist eine anwaltliche Vertretung angezeigt, damit der jeweilige Standpunkt des Elternteils optimal herausgearbeitet werden kann.

Unsere Kanzlei hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Sorgerechtsverfahren durchgeführt und dadurch die nötige Erfahrung und Kenntnisse auf diesem Rechtsgebiet erworben.

Gern können wir in einem persönlichen Gespräch alle weiteren Fragen klären.